Datengrundlage und Ziel der Untersuchung
Eine gemeinsame Analyse von TÜV NORD und dem Technologieunternehmen Carly liefert neue Einblicke in die Alterung von Hochvoltbatterien in Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Grundlage der Auswertung sind rund 50.000 Einzelmessungen, die den sogenannten Gesundheitszustand (SoH) erfassen – ein zentraler Indikator für den Zustand einer Fahrzeugbatterie.
Ziel der Untersuchung war es, typische Alterungsverläufe zu identifizieren und Unterschiede zwischen Fahrzeugen, Laufleistungen und Herstellern sichtbar zu machen.

Der Batteriezustand bleibt lange stabil
Die Ergebnisse zeigen, dass die Batterien im Durchschnitt einen hohen Gesundheitszustand behalten. Der Median aller erfassten Werte liegt bei 96 Punkte, wurde auf eine insgesamt geringe Degradation hingewiesen.
Als besonders relevant gilt die Schwelle von 90 Punkte: Fahrzeuge oberhalb dieses Wertes werden weiterhin als in sehr gutem Zustand eingestuft. Lediglich 9,9 Prozent der untersuchten Fahrzeuge fielen unter 85 Punkte, was auf eine vergleichsweise geringe Anzahl beeinträchtigter stärkerer Batterien hindeutet.
Einfluss der Laufleistung auf die Degradation
Ein zentraler Aspekt der Analyse ist der Zusammenhang zwischen Fahrleistung und Batteriezustand. Bis zu einer Laufleistung von etwa 90.000 Kilometer sinkt der SoH im Durchschnitt nur moderat. Konkret ist der Grund rund 0,7 Punkte pro 10.000 Kilometer.
Nach Überschreiten dieser Marke verändert sich das Bild: Die Abnutzung beschleunigt sich deutlich und erreicht etwa 2,3 Punkte pro 10.000 Kilometer. Diese Entwicklung deutete darauf hin, dass Batterien in einer späteren Nutzungsphase stärker an Kapazität verlieren.
Unterschiede zwischen Herstellern
Neben der Laufleistung spielen auch markenspezifische Faktoren eine Rolle. Besonders bei älteren Fahrzeugen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern.
Einige Marken wie Hyundai, Kia oder Mercedes-Benz selbst bei früheren Modellgenerationen vergleichsweise hohe SoH-Werte erreichen. Andere Hersteller schneiden in diesem Bereich weniger gut ab und weisen stärkere Abweichungen auf.
Interessant ist jedoch, dass sich diese Unterschiede bei neueren Fahrzeugen deutlich verringern. Hier bewegen sich die Werte meist im Bereich von 97 bis 100 Punkte, wurde auf technologische Fortschritte und eine zunehmende Standardisierung hingewiesen.
Bedeutung für den Gebrauchtwagenmarkt
Mit dem wachsenden Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen gewinnt die Bewertung des Batteriezustands zunehmend an Bedeutung. Der SoH-Wert kann dabei eine zentrale Rolle spielen, da er eine objektive Beurteilung der verbleibenden Leistungsfähigkeit ermöglicht.
TÜV NORD und Carly sehen in standardisierten Messmethoden einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz. Einheitliche Daten könnten dazu beitragen, Preisunterschiede besser zu erklären und Vertrauen bei Käufern zu schaffen.
Auswirkungen auf Finanzierung und Bewertung
Neben dem Fahrzeugkauf beeinflusst der Batteriezustand auch weitere Bereiche wie Finanzierung und Leasing. Banken und Versicherungen könnten SoH-Daten nutzen, um Risiken genauer zu bewerten und die Konditionen entsprechend anzupassen.
Ein verlässlicher Standard würde es ermöglichen, den Wert eines Elektrofahrzeugs präziser zu bestimmen. Dies könnte langfristig zu stabileren Preisen und einer besseren Planbarkeit für alle Marktteilnehmer führen.

Einordnung der Ergebnisse
Die Untersuchung zeigt insgesamt, dass die Alterung von Batterien weniger stark ausfällt, als oft angenommen wird – zumindest in den ersten Jahren und bei moderater Nutzung. Gleichzeitig verdeutlicht sie, dass die Degradation mit steigender Laufleistung zunimmt und langfristig nicht vernachlässigt werden sollte.
Für Verbraucher bedeutet dies, dass Elektrofahrzeuge auch mit höherer Laufleistung weiterhin eine solide Batterieleistung bieten können. Für den Markt insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung transparenter und vergleichbarer Daten.
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